Die Frage „Wer zahlt die Retoure?" beschäftigt viele Online-Käufer. Die rechtliche Regelung ist klar, die Praxis allerdings vielfältig: Manche Shops übernehmen die Retourenkosten, andere belasten den Kunden. In diesem Artikel erklären wir die rechtlichen Grundlagen, zeigen, welche Shops kostenlose Retouren anbieten, und geben Tipps, wie du die Rücksendekosten minimieren kannst.
Rechtliche Grundlage: Wer trägt die Kosten?
Die Kostentragung bei Retouren ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. Seit der Umsetzung der EU-Verbraucherrechterichtlinie 2014 gelten klare Regeln.
Die gesetzliche Regelung
Nach § 357 Abs. 6 BGB trägt der Verbraucher die unmittelbaren Kosten der Rücksendung, wenn der Unternehmer ihn in der Widerrufsbelehrung über diese Pflicht informiert hat. Das bedeutet: Der Händler ist nicht gesetzlich verpflichtet, die Retourenkosten zu übernehmen – er muss den Kunden aber vor Vertragsschluss darüber informieren, dass die Rücksendekosten zu dessen Lasten gehen.
Ausnahmen: Wann zahlt der Händler?
Es gibt Situationen, in denen der Händler die Retourenkosten tragen muss: Wenn er in seinen AGB oder der Widerrufsbelehrung die Kostenübernahme zugesagt hat. Wenn der Händler es versäumt hat, den Kunden über die Kostentragungspflicht zu informieren. Wenn die Ware mangelhaft ist – in diesem Fall greift nicht das Widerrufsrecht, sondern die Gewährleistung, und der Händler muss alle Kosten der Rücksendung übernehmen.
Welche Shops bieten kostenlose Retouren?
Viele große Online-Händler übernehmen die Retourenkosten freiwillig als Serviceleistung, um die Kaufbereitschaft ihrer Kunden zu erhöhen.
Shops mit kostenloser Retoure
Amazon bietet bei den meisten Artikeln kostenlose Retouren über DHL, Hermes oder UPS an – das Retourenlabel kann direkt im Kundenkonto erstellt werden. Zalando übernimmt die Retourenkosten vollständig und bietet ein vorfrankiertes Retourenlabel in jeder Lieferung. Otto und About You bieten ebenfalls kostenlose Retouren an. H&M hat die kostenlosen Retouren eingestellt und berechnet seit 2024 eine Retourengebühr von 5,95 € pro Rücksendung. Zara erhebt bei Online-Retouren per Post ebenfalls eine Gebühr von 4,95 €, die Rückgabe im Laden ist kostenlos.
Trend: Kostenpflichtige Retouren nehmen zu
Der Trend geht zunehmend in Richtung kostenpflichtiger Retouren. Immer mehr Shops berechnen eine pauschale Retourengebühr (meist 3,95–5,95 €) oder ziehen die Rücksendekosten vom Erstattungsbetrag ab. Hintergrund: Retouren kosten Händler im Durchschnitt 8–15 € pro Rücksendung (Versand, Qualitätsprüfung, Wiedereinlagerung, Wertverlust). Durch kostenpflichtige Retouren soll die Retourenquote gesenkt und die Nachhaltigkeit verbessert werden.
So sparst du bei den Retourenkosten
Wenn du die Rücksendekosten selbst tragen musst, gibt es mehrere Möglichkeiten zu sparen.
Günstig zurückschicken
Vergleiche die Versandpreise verschiedener Anbieter – ein Retourenpaket bis 5 kg kostet bei DHL ab 5,49 €, bei Hermes ab 4,50 €. Wenn du regelmäßig retournierst, kann ein DHL-Kundenkonto mit Online-Frankierung sinnvoll sein. Manche Shops bieten die kostenlose Rückgabe in stationären Filialen an (z. B. Zara, H&M, MediaMarkt) – das spart die Versandkosten komplett.
Retouren vermeiden
Der beste Weg, Retourenkosten zu sparen, ist natürlich, Retouren zu vermeiden. Prüfe vor der Bestellung die Größentabellen und Produktbewertungen sorgfältig. Bestelle nicht in mehreren Größen „auf Verdacht", sondern informiere dich vorab. Lies die Produktbeschreibung genau, um Fehlkäufe zu vermeiden. Viele Shops bieten mittlerweile virtuelle Anproben, Größenberater oder detaillierte Produktvideos an, die bei der Kaufentscheidung helfen.