Paket aus China mit Zollformularen, Taschenrechner und chinesischer Flagge auf einem Schreibtisch
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Paket aus China: Zoll, Gebühren und was du wirklich zahlst

Einfuhrumsatzsteuer, Zollgebühren, IOSS-Verfahren und die neue EU-Pauschale ab Juli 2026 -- so berechnest du die tatsächlichen Kosten deiner China-Bestellung.

person Erik M. calendar_today 05. April 2026 schedule 4 Min. Lesezeit

Wer bei Temu, Shein, AliExpress oder einem anderen chinesischen Online-Shop bestellt, erhält seine Ware direkt aus einem Drittland ausserhalb der EU. Damit gelten für jedes Paket aus China besondere Zollregeln, die sich direkt auf den Endpreis auswirken. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Abgaben tatsächlich anfallen, wie du die Kosten im Voraus berechnest und was sich ab Juli 2026 durch die neue EU-Verordnung ändert.

Welche Abgaben fallen bei einem Paket aus China an?

Bei der Einfuhr von Waren aus China nach Deutschland können drei Arten von Abgaben anfallen: die Einfuhrumsatzsteuer, Zollgebühren und in seltenen Fällen Verbrauchsteuern.

Warenwert Einfuhrumsatzsteuer Zoll Servicepauschale
Unter 1 EUR EUSt Entfällt (Bagatellgrenze) Nein Keine
Ab 1 EUR EUSt bis 150 EUR 19 % (bzw. 7 %) Nein (zollfrei) Ca. 6--7,50 EUR (DHL)
Über 150 EUR 19 % (bzw. 7 %) Ja (je nach Warenart) Ca. 6--7,50 EUR (DHL)
Geschenk bis 45 EUR Keine Nein Keine

Einfuhrumsatzsteuer -- ab dem ersten Euro

Die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) entspricht der deutschen Mehrwertsteuer und beträgt in der Regel 19 Prozent des sogenannten Zollwerts. Für bestimmte Waren wie Bücher oder Lebensmittel gilt der ermässigte Satz von 7 Prozent. Der Zollwert setzt sich zusammen aus dem Warenwert plus den Versandkosten bis zur EU-Grenze.

Seit dem 1. Juli 2021 gibt es keine Freigrenze mehr. Die frühere Befreiung für Warensendungen unter 22 Euro ist vollständig entfallen. Lediglich wenn die errechnete EUSt unter einem Euro liegt, wird sie nicht erhoben (Bagatellgrenze).

Viele grosse Plattformen wie Temu oder AliExpress nutzen inzwischen das IOSS-Verfahren (Import One-Stop-Shop). In diesem Fall führen sie die EUSt bereits beim Kauf ab und du zahlst bei der Zustellung nichts zusätzlich. Ob dein Shop dieses Verfahren nutzt, erkennst du daran, dass im Bestellvorgang bereits die deutsche Mehrwertsteuer ausgewiesen wird.

calculate Einfuhrumsatzsteuer im Detail erklärt

Zollgebühren -- ab 150 Euro Warenwert

Zollgebühren fallen an, sobald der Sachwert deiner Sendung 150 Euro überschreitet. Die Höhe richtet sich nach der Warenart und wird über die Zolltarifnummer (HS-Code) bestimmt. Für typische China-Bestellungen liegen die Zollsätze zwischen 0 und 17 Prozent.

Einige Beispiele für gängige Zollsätze: Smartphones, Tablets und Laptops sind dank des WTO-Informationstechnologieabkommens in der Regel zollfrei (0 Prozent). Textilien und Kleidung werden häufig mit rund 12 Prozent verzollt. Schuhe können mit bis zu 17 Prozent belastet werden. Spielzeug liegt bei etwa 4,7 Prozent. Die genauen Zollsätze für dein Produkt findest du in der TARIC-Datenbank der EU oder im Elektronischen Zolltarif (EZT-Online).

Wichtig: Massgeblich für die 150-Euro-Grenze ist der Sachwert der Ware, nicht der Gesamtrechnungsbetrag. Sind die Versandkosten auf der Rechnung separat ausgewiesen, zählen sie nicht zum Sachwert. Sind sie nicht erkennbar aufgeteilt, gilt der gesamte Rechnungsbetrag als Sachwert.

Verbrauchsteuern -- Sonderfälle bei Alkohol, Tabak und Kaffee

Für bestimmte Warengruppen wie alkoholische Getränke, Tabakwaren, Kaffee und kaffeehaltige Produkte fallen zusätzlich Verbrauchsteuern an. Diese gelten unabhängig vom Warenwert und können bei typischen China-Bestellungen in der Regel vernachlässigt werden. Wer allerdings Tee mit Kaffeeanteil oder E-Zigaretten-Liquids bestellt, sollte sich vorab informieren.

Neu ab Juli 2026: Der EU-Pauschalzoll für Kleinsendungen

Am 11. Februar 2026 hat der Rat der Europäischen Union die Verordnung (EU) 2026/382 verabschiedet. Damit wird die bisherige Zollfreigrenze für Sendungen unter 150 Euro ab dem 1. Juli 2026 abgeschafft.

Was besagt die EU-Verordnung 2026/382?

Die Verordnung sieht vor, dass ab Juli 2026 ein Pauschalzoll von 3 Euro pro Warenkategorie auf alle Sendungen mit einem Sachwert unter 150 Euro erhoben wird. Die Regelung gilt zunächst als Übergangslösung bis Mitte 2028. Danach plant die EU ein digitales Zollsystem, das alle Einfuhren zentral erfasst und regulär verzollt.

Hintergrund der Reform: Nach Angaben der EU-Kommission erreichten 2024 rund 4,6 Milliarden Kleinsendungen den europäischen Markt, etwa 91 Prozent davon aus China. Viele dieser Pakete waren nach Schätzungen der Zollbehörden falsch deklariert, um unter der bisherigen 150-Euro-Grenze zu bleiben.

So funktioniert der 3-Euro-Pauschalzoll pro Warenkategorie

Der Pauschalzoll wird nicht pro Paket, sondern pro Warenkategorie innerhalb einer Sendung berechnet. Entscheidend ist die sechsstellige HS-Unterposition (Zolltarifnummer).

Das bedeutet konkret: Bestellst du zwei Powerbanks in einem Paket, fällt der Pauschalzoll nur einmal an, weil beide zur selben Warenkategorie gehören. Enthält dein Paket dagegen ein T-Shirt und eine Handyhülle, sind das zwei verschiedene Kategorien -- und es werden 6 Euro Pauschalzoll fällig.

Bis 30. Juni 2026 Ab 1. Juli 2026
Sendungen unter 150 EUR sind zollfrei 3 EUR Pauschalzoll pro Warenkategorie (HS-Unterposition)
EUSt fällt auf alle Sendungen an EUSt fällt weiterhin auf alle Sendungen an
Keine zusätzliche Bearbeitungsgebühr Ggf. zusätzliche EU-Bearbeitungsgebühr von ca. 2 EUR (in Diskussion)

Die Händler sind grundsätzlich aufgefordert, die Sendungen vorab zu verzollen. Geschieht das nicht, müssen Verbraucher die Abgaben bei der Zustellung oder beim Zollamt selbst entrichten -- zuzüglich der Servicepauschale des Paketdienstleisters.

Rechenbeispiele -- So viel kostet dein Paket aus China wirklich

Die folgenden Beispiele zeigen, mit welchen Gesamtkosten du bei typischen Bestellungen rechnen musst. Die Servicepauschale entfällt, wenn der Shop die EUSt bereits über IOSS abführt.

Beispiel 1: Handyhülle für 8 Euro

Position Betrag
Warenwert (Handyhülle)8,00 EUR
Versandkosten0,00 EUR (kostenloser Versand)
Zollwert8,00 EUR
Zoll (unter 150 EUR)0,00 EUR
Einfuhrumsatzsteuer (19 %)1,52 EUR
Ab Juli 2026: Pauschalzoll+ 3,00 EUR
Servicepauschale DHL6,00 EUR
Gesamtkosten (ohne IOSS)ca. 15,52--18,52 EUR

Nutzt der Shop das IOSS-Verfahren, entfallen Servicepauschale und nachträgliche EUSt-Erhebung. Dann zahlst du nur den Kaufpreis inklusive Steuer. Ab Juli 2026 kommt der Pauschalzoll dennoch hinzu, sofern der Artikel nicht vorab verzollt wurde.

Beispiel 2: Jacke und Schuhe für 95 Euro

Position Betrag
Warenwert (Jacke + Schuhe)95,00 EUR
Versandkosten0,00 EUR
Zollwert95,00 EUR
Zoll (unter 150 EUR)0,00 EUR
Einfuhrumsatzsteuer (19 %)18,05 EUR
Ab Juli 2026: Pauschalzoll (2 Kategorien)+ 6,00 EUR
Servicepauschale DHL6,00 EUR
Gesamtkosten (ohne IOSS)ca. 119,05--125,05 EUR

Jacke und Schuhe gehören zu unterschiedlichen HS-Unterpositionen. Deshalb fällt der Pauschalzoll ab Juli 2026 doppelt an. Bei Bestellungen mit mehreren Produktkategorien lohnt es sich, die Gesamtkosten im Voraus durchzurechnen.

Beispiel 3: E-Scooter für 200 Euro

Position Betrag
Warenwert (E-Scooter)200,00 EUR
Versandkosten15,00 EUR
Zollwert (Warenwert + Versand)215,00 EUR
Zoll (z. B. 6 % für E-Scooter)12,90 EUR
EUSt-Bemessungsgrundlage227,90 EUR
Einfuhrumsatzsteuer (19 %)43,30 EUR
Servicepauschale DHL6,00 EUR
Gesamtkostenca. 277,20 EUR

Bei einem Warenwert über 150 Euro wird der Zoll auf den gesamten Zollwert berechnet, also auf Warenwert plus Versandkosten. Die EUSt wird anschliessend auf die Summe aus Zollwert und Zollbetrag erhoben. Dadurch steigen die Gesamtkosten bei hochpreisigen Bestellungen überproportional.

Wie läuft die Zollabwicklung bei Paketen aus China ab?

Der Ablauf hängt davon ab, ob der Versandhändler das IOSS-Verfahren nutzt, ob der Paketdienstleister die Verzollung übernimmt oder ob du selbst tätig werden musst.

Verzollung durch den Paketdienstleister

Der häufigste Weg: DHL, Hermes oder ein anderer Paketdienst übernimmt die Zollanmeldung in deinem Namen, streckt die fälligen Abgaben vor und kassiert sie bei der Zustellung an der Haustür. Dafür berechnet DHL eine Auslagepauschale, die derzeit bei rund 7,50 Euro liegt. Halte bei der Zustellung den passenden Betrag in bar bereit oder prüfe, ob eine Online-Zahlung möglich ist.

Selbst zum Zollamt gehen -- lohnt sich das?

Alternativ kannst du das Paket persönlich beim zuständigen Zollamt abholen und die Abgaben dort entrichten. Der Vorteil: Die Servicepauschale des Paketdienstleisters entfällt. Bringe dafür die Bestellbestätigung und den Zahlungsnachweis mit, damit der Zollbeamte den Warenwert prüfen kann. Bei Sendungen mit geringem Warenwert übersteigt die Anfahrt zum Zollamt allerdings häufig die Ersparnis.

Selbstverzoller-Registrierung als Alternative

Wer regelmässig aus China bestellt, kann sich beim Zoll als Selbstverzoller registrieren lassen. Dann werden alle Sendungen automatisch beim örtlichen Zollamt hinterlegt und du erledigst die Verzollung selbst, ohne die Auslagepauschale des Paketdienstleisters zu zahlen. Die Registrierung ist kostenlos und über das zuständige Hauptzollamt möglich.

Servicepauschale von DHL, Hermes und Co.

Neben den eigentlichen Einfuhrabgaben berechnen Paketdienstleister eine Gebühr für die Zollabwicklung. Bei der Deutschen Post und DHL liegt diese Auslagepauschale aktuell bei 7,50 Euro pro Sendung, wenn das Paket direkt an die Haustür geliefert wird. Bei anderen Dienstleistern kann die Gebühr variieren, liegt aber typischerweise in einem ähnlichen Bereich.

Die Pauschale entfällt in folgenden Fällen: Der Shop nutzt das IOSS-Verfahren und hat die EUSt bereits beim Kauf abgeführt. Du holst das Paket persönlich beim Zollamt ab. Oder du bist als Selbstverzoller registriert.

Geschenke aus China -- gelten andere Regeln?

Ja, für Geschenksendungen gelten besondere Freigrenzen. Eine Privatperson darf einer anderen Privatperson Geschenke mit einem Wert von bis zu 45 Euro senden, ohne dass Einfuhrumsatzsteuer oder Zoll anfallen. Voraussetzung: Die Sendung muss auf der Zollinhaltserklärung als Geschenk deklariert sein, es muss ein nachvollziehbarer Anlass vorliegen (z. B. Geburtstag) und es darf sich nicht um eine kommerzielle Sendung handeln.

Liegt der Wert über 45 Euro, gelten die normalen Einfuhrregeln. Geschenke von Unternehmen an Privatpersonen sind grundsätzlich nicht von dieser Regelung erfasst.

description Zollinhaltserklärung CN22 und CN23 ausfüllen

Häufig gestellte Fragen zu Zoll und Gebühren bei Paketen aus China

Ab welchem Warenwert muss ich für ein Paket aus China Zoll bezahlen? expand_more
Nach den aktuell noch geltenden Regeln fallen Zollgebühren erst ab einem Sachwert von 150 Euro an. Ab dem 1. Juli 2026 wird zusätzlich ein Pauschalzoll von 3 Euro pro Warenkategorie für alle Sendungen unter 150 Euro erhoben. Die Einfuhrumsatzsteuer gilt unabhängig vom Warenwert für jede Sendung.
Wie hoch ist die Einfuhrumsatzsteuer bei Paketen aus China? expand_more
Die Einfuhrumsatzsteuer beträgt in der Regel 19 Prozent des Zollwerts (Warenwert plus Versandkosten). Für bestimmte Produkte wie Bücher gilt ein ermässigter Satz von 7 Prozent. Wenn die errechnete EUSt unter einem Euro liegt, wird sie nicht erhoben.
Was ändert sich ab Juli 2026 bei den Zollgebühren? expand_more
Die EU-Verordnung 2026/382 schafft die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro für Kleinsendungen ab. Ab dem 1. Juli 2026 wird ein Pauschalzoll von 3 Euro pro Warenkategorie fällig. Diese Übergangsregelung gilt bis mindestens Mitte 2028, danach sollen reguläre Zollsätze greifen.
Kontrolliert der Zoll jedes Paket aus China? expand_more
Nein, nicht jedes Paket wird kontrolliert. Der Zoll führt stichprobenartige Prüfungen durch. Sendungen, die über das IOSS-Verfahren abgewickelt werden, passieren den Zoll in der Regel ohne zusätzliche Prüfung. Bei auffälligen Sendungen -- etwa mit unplausiblen Wertangaben oder fehlenden Zollinhaltserklärungen -- ist eine Kontrolle jedoch wahrscheinlich.
Kann ich die Servicepauschale von DHL vermeiden? expand_more
Ja, dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Du kannst dich als Selbstverzoller beim Hauptzollamt registrieren und das Paket persönlich abholen. Oder du bestellst bei Shops, die das IOSS-Verfahren nutzen und die EUSt bereits beim Kauf abführen, sodass bei der Zustellung keine Abgaben mehr anfallen. Einige chinesische Händler bieten zudem einen Versand über EU-Warenlager an, bei dem die Ware bereits in der EU verzollt ist.

Zoll und Gebühren im Griff -- informiert bestellen

Die Zollregeln für Pakete aus China ändern sich ab Juli 2026 spürbar. Wer im Voraus weiss, welche Abgaben anfallen, kann die tatsächlichen Gesamtkosten einer Bestellung realistisch einschätzen und unangenehme Überraschungen an der Haustür vermeiden.

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